Kleine Zeichen

Stressiger Job und Tierkommunikation: Wie ich im Alltag zur Ruhe komme

Bei der Arbeit bekomme ich Lob für ruhige Nerven unter Deadline-Druck. Zuhause reicht das Klicken der Wohnungstür, damit meine Katze wie ein Schatten unters Sofa schießt. Zwei völlig unterschiedliche Reaktionen auf denselben Menschen, und seit einigen Wochen versuche ich als Tierkommunikations-Anfängerin herauszufinden, wie die gestresste Grafikdesignerin in mir und die schreckhafte Tierschutzkatze aus Rumänien sich im selben Flur begegnen können, ohne dass am Ende beide mit zitternden Nerven dastehen.

Was mir dabei hilft, ist kein spektakuläres Erlebnis, sondern eine simple Reihenfolge: erst den eigenen Kopf leiser machen, dann erst irgendetwas von der Katze erwarten. Klingt banal. Genau in dieser Reihenfolge liegt bei uns der Unterschied zwischen einem Abend, an dem sich gar nichts bewegt, und einem, an dem wenigstens eine Pfote aus dem Schatten kommt.

Grafikdesign-Stress und eine scheue Tierschutzkatze passen eigentlich nicht zusammen

Mein Job ist visuell laut, auch wenn er akustisch leise ist. Elf Korrekturschleifen an einem Logo, ein Kunde, der in letzter Minute 'knalliger' will, während die Deadline näherrückt als mir lieb ist. Wenn ich nach Hause komme, ist mein Kopf noch voller Pixel und Farbwerte. Was im Kurs als Blockade beschrieben wird, kenne ich in genau diesem Zustand am besten: Steckt der Kopf noch komplett in der Arbeit, filtert er offenbar auch die kleinen Signale raus, die sonst vielleicht durchkommen würden.

Philippa, meine Freundin und UX-Designerin in einer Agentur, hat neulich einen meiner Tagebucheinträge vorgelesen und gemeint, das lese sich wie ein besonders vages Projekt-Briefing: zu wenig Substanz, keine klare Zielsetzung. Ganz unrecht hat sie damit nicht. Stressbewältigung war bei mir bisher: Serie an, Kopf aus, fertig. Für meine Katze bedeutet mein Stresslevel offenbar etwas ganz anderes, sie merkt es vermutlich, noch bevor ich die Wohnungstür richtig zugemacht habe.

Grafikdesign-Arbeitsplatz mit Laptop und Farbmustern – stressiger Alltag einer Tierkommunikations-Anfängerin

Der Trick mit den Bachblüten, der bei uns kläglich scheiterte

Bachblütenessenz Rescue, ein paar Tropfen ins Trinkwasser gemischt, genau das habe ich ausprobiert, noch bevor ich überhaupt vom Kurs wusste. Jemand hatte mir versichert, das beruhige zuverlässig. Mit fast schon religiöser Konsequenz goss ich die Tropfen jeden Morgen ins Wasser. Es änderte sich nichts. Keine ruhigere Katze, kein Zentimeter näher am Wohnzimmer, nur ich, wie ich abends vor dem unberührten Napf stand und mich fragte, warum das bei anderen offenbar sofort wirkt und bei uns gar nicht.

Was ich daraus mitgenommen habe: Keine Tropfen ersetzen das eigentliche Problem, das offenbar mehr mit meiner eigenen Anspannung zu tun hatte als mit fehlenden Stoffen im Wasser. Erst als ich aufhörte, nach der nächsten schnellen Lösung zu suchen, und stattdessen anfing, an mir selbst zu arbeiten, bewegte sich überhaupt etwas. Wer die ganze Vorgeschichte dazu lesen will, wie ich bei diesem Kurs gelandet bin, findet sie in meinem Erfahrungsbericht als Anfängerin ohne jede spirituelle Vorerfahrung.

Eine Mittagsrunde durch die Leipziger Kreativszene als Übergang

Mittags laufe ich oft eine Runde übers Spinnereigelände in Plagwitz, vorbei an alten Fabrikhallen, die heute Ateliers und Galerien der Leipziger Kreativszene beherbergen. Genau dort, zwischen Backstein und Streetart, probiere ich etwas aus, das im Kurs Distanzarbeit heißt: für ein paar Minuten bewusst an die Katze denken, ohne bei ihr zu sein, nur um zu sehen, ob sich mein eigener Kopf davon schon vor dem Nachhausekommen beruhigt.

Ob davon irgendetwas bei ihr ankommt, kann ich nicht belegen. Bei mir verändert sich dabei etwas ganz Konkretes: der Kiefer entspannt sich, die Schultern sinken ein Stück herunter, noch bevor ich überhaupt die Treppe zur Wohnung hochgehe. Was im Kurs Intuitionstraining genannt wird, übe ich dabei fast nebenbei: nicht mit geschlossenen Augen und Meditationsmusik, sondern beim Gehen, mit einem Ohr auf das eigene Bauchgefühl gerichtet.

Was war beim letzten Tierarztbesuch anders?

Beim letzten Kontrolltermin lag sie zusammengerollt in der Ecke der Box, den Blick ruhig zur Wand gerichtet — kein Kreischen, kein Krallen am Gitter, wie es früher nach jeder einzelnen Fahrt passierte. Die Tierärztin hat dazu nichts gesagt, weil sie den Unterschied naturgemäß nicht kennt.

Ich schon.

Pfote der rumänischen Tierschutzkatze schaut vorsichtig unter dem Sofa hervor – kleines Zeichen beim Tierkommunikation lernen

Vorbereitet habe ich mich diesmal anders als sonst: keine hektischen letzten Handgriffe, kein Fangen-und-Reinstopfen in letzter Sekunde, sondern eine ruhige halbe Stunde vorher, in der ich versuche, den eigenen Puls runterzufahren, bevor die Box überhaupt aus dem Schrank kommt. Die kleinen Zeichen davor sind es, auf die ich inzwischen achte — ein Ohr, das sich dreht, eine Schwanzspitze, die kurz zuckt, lange bevor irgendetwas Lautes passiert. Vieles davon läuft komplett ohne Blickkontakt ab, ähnlich wie in meinem Artikel über eine unsichtbare Katze verstehen, auch ohne Blickkontakt beschrieben.

Welche anderen Methoden probieren wir im Kurs noch aus?

Andere aus dem Kurs schwören auf die Einhandrute, um angeblich Bedürfnisse abzufragen. Ich habe es genau einmal probiert und die Rute danach wieder in die Schublade gelegt: einfach nicht meins. Manche arbeiten fast ausschließlich mit inneren Bildern, andere sagen, bei ihnen kämen eher Gefühle an als Bilder, was mich anfangs komplett verwirrt hat, weil ich dachte, es müsse immer ein Bild sein.

Noa Winterstein, mit der ich mich im Kursforum austausche, fragt bei jedem meiner Einträge so lange nach, bis ich genauer beschreibe, was ich wirklich beobachtet habe, statt nur 'irgendwie ruhiger' zu notieren. Richtig vor dem Sofa sitzen haben wir gleich zu Kursbeginn geübt, lange bevor überhaupt etwas Konkretes passierte. Ob ein Bild aus meinem eigenen Kopf stammt oder wirklich von der Katze kommt, kann ich bis heute nicht sicher unterscheiden — im Kurs wird ziemlich offen zugegeben, dass genau das die schwierigste Übung überhaupt ist.

Dass ich mir das alles nur einbilde, ist ein Gedanke, der mich noch fast jede Woche besucht, meistens genau dann, wenn wieder ein Tag vergeht, an dem gar nichts passiert. Vertrauen baut sich bei einer Katze aus Rumänien offenbar nicht über große Gesten auf, sondern darüber, dass ich nicht dränge, wenn gerade nichts passiert. Irgendwann kam im Kursforum die Frage nach einem Aufbaukurs auf — für mich aktuell kein Thema, mir reicht gerade genug damit, im Alltag überhaupt klarzukommen.

Am Ende zählt eine einzige feste Routine

Was bei uns beiden zuverlässig funktioniert, ist keine einzelne Übung, sondern die feste Wiederholung: gleiche Tageszeit, gleicher Ablauf, kein Überraschungsmoment. Das gibt ihr vermutlich mehr Sicherheit durch feste Routinen im Alltag als jede einzelne Technik für sich allein. Mir gibt es einen festen Rahmen für einen Job, der sonst ständig neue Variablen liefert.

Wer selbst einen anstrengenden Job hat und mit einer verschreckten Katze zusammenlebt: Fang nicht bei der Katze an. Fang beim eigenen Kopf an: der lässt sich wenigstens direkt beeinflussen, der Rest kommt manchmal von allein hinterher.

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